TorTour de Ruhr 2018 – 460km nonstop – Eine Nachbetrachtung

Eine Woche ist es nun her. Die TorTour de Ruhr. Eine Woche, in der vieles einfach mal sacken und ich meine Eindrücke verarbeiten konnte. 460km in 103 Stunden. Ein immens langer Zeitraum. Und eigentlich unmöglich, wirklich alles in Worte zu fassen. Daher möchte ich jetzt auch keinen ausschweifenden Bericht über die Strecke an sich schreiben. Das haben nun schon ganz viele getan und ich sauge diese Berichte förmlich auf. Ich freue mich über jeden einzelnen, der sich an das Abenteuer „TorTour de Ruhr“ gewagt hat. Es ist auch egal, ob man sie schafft oder nicht. Jeder einzelne ist ein Held. Ich möchte mich mit meinen Blog auf einige persönliche Eindrücke beschränken. Und ich möchte mich am Ende bei den Menschen bedanken, die das Abenteuer ermöglicht haben.

Auch wenn die TorTour für mich am Ende ein Erfolg war, so hatten wir doch auch mit einer Menge Probleme zu kämpfen. Es gab Streitigkeiten und an einigen Stellen haben wir auch nicht sonderlich klug und vernünftig gehandelt, was auf der ersten Hälfte der Strecke fast zu einem vollständigen Scheitern des gesamten Projekts geführt hat. Damit möchte ich es aber auch beruhen lassen, denn das, was auf der Strecke passiert ist, soll auch auf der Strecke bleiben. Wir waren alle in einer Extremsituation und da ist rationales Handeln manchmal einfach nicht mehr möglich. Ich bin letztendlich froh, dass wir dann in Winterberg aber gemeinsam entschieden haben, dass wir das Projekt fortführen. Doch was mich nach wie vor traurig stimmt, ist, dass ich den Lauf nicht mehr gemeinsam mit Anja beenden konnte. Ich hoffe, Deiner Sehne geht es wieder besser, so dass Du bald wieder die Laufstrecken der Welt rocken kannst.

Die wundervollen Momente des Laufs überwiegen jedoch. In Erinnerung wird mir immer der Start in Duisburg an der Rheinorange bleiben. So viele liebe Menschen, die uns auf die Strecke geschickt haben. Ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele Menschen daran teilhaben wollten. Aber es war so und es war schön.

Auch die zahlreichen Laufbegleiter, die wir auf der Strecke immer wieder hatten, Dirk, Carsten, Claudia…Das war großartig.

Toll war auch der VP 437 von Bernd Krayer ganz am Anfang. Damit hatten wir nicht gerechnet und es tat so gut, Euch zu sehen.

Der Rückweg von Winterberg nach Duisburg war besonders bewegend. Hier war es dann ja so, dass wir dann irgendwann von den 230er und 160er Läufern eingeholt worden sind. Man kam mit den anderen Läufern ins Gespräch und mit vielen bin ich auch große Strecken zusammen gelaufen. Hier fällt mir ein 230er Läufer aus Frankfurt ein, Mark. Wir haben uns kurz vor Fröndenberg getroffen und sind lange Zeit zusammen gelaufen und haben schöne Gespräche geführt.

Die Herzlichkeit, die uns an den offiziellen VP´s entgegengebracht worden ist, war wundervoll. Das fing schon in Arnsberg an. Hier habe ich dann auch die Starter der 100 Meilen getroffen. Danke auch noch einmal an das Fitnessstudio, wo ich mich jeweils auf dem Hin- und Rückweg duschen konnte. Erst wollte ich gar nicht duschen, aber Ricarda meinte, dass das gut tun würde. Gut, dass ich es getan habe. Es hat jedes Mal neue Lebensgeister geweckt. Unglaublich, was eine solche Dusche bewirken kann.

Ich habe aber nicht sämtliche VP´s mitbekommen. Dafür war ich dann doch zu langsam, so dass manche schon am zusammenpacken waren. Die beiden letzten VP´s sind mir dann aber wieder in besonderer Erinnerung geblieben. VP 42 am Baldeneysee und VP 23 unter der Mintarder Brücke. Die Stimmung war super und die Energie der Teams dort schwappte auch auf mich und das Team über. Danke noch einmal dafür.

Aber ich hatte auch meine Tiefpunkte. Der schlimmste Tiefpunkt war Samstagabend gegen 21 Uhr. Eigentlich wollte ich noch das Kanu-Vereinsheim erreichen, wo die 100km-Läufer starteten. Ich war noch ca. 3 Stunden davon entfernt und es ging auf einmal nichts mehr. Mein Körper und Geist wollten auf einmal nicht mehr. Mir kamen hierbei die Tränen und ich musste heulen. Gladys, meine Radbegleitung zu diesem Zeitpunkt, hat aber kühlen Kopf bewahrt. Sie hat das Team angerufen und Bescheid gegeben. Das Team meinte dann:“ Thorsten, wir machen jetzt Pause. Denk jetzt nicht mehr an den VP. Wir machen Pause und Du gehst jetzt schlafen. Und wenn es mir nach der Schlafpause immer noch nicht gut gehen sollte, dann können wir immer noch abbrechen.“ Ich habe dann 5 Stunden geschlafen. 5 Stunden, die mir wirklich gut taten. Wir entschieden, weiter zu machen. Und die ersten Kilometer lief ich dann begleitet von Martina durch dichten Nebel. Ein mystischer Moment.

Generell haben mir die Schlafpausen während der TorTour gut getan. Ich hatte insgesamt 4 Schlafpausen. Hierbei war die Letzte mit 5 Stunden die auch die längste Schlafpause.

Ein anderer Aspekt, der mir stets geholfen hat, ist meine tägliche Meditationspraxis. Ich meditiere täglich und diese Meditationspraxis ist meine tägliche Seelenreinigung. Hierdurch kann ich mit negativen Erlebnissen besser umgehen. Sie bestimmen mein Denken dann nicht mehr und können mich auch nicht in eine negative Gedankenspirale mitreißen. Gedanken sind nur Gedanken. Sie sind nicht real. Der Geist produziert sie ständig. Aber soll schnell Gedanken entstehen, so schnell verschwinden sie auch. Man muss lernen, sich nicht davon mitreißen zu lassen. Darüber hinaus versuche ich auch, mich beim Laufen in einen meditativen Zustand zu versetzen, was allerdings am Ende solcher Strapazen nicht mehr so gut gelingt. Aber es ist schon interessant, wozu der Geist in der Lage ist, wenn man ihn trainiert.

Eine weiterer Aspekt, der den Lauf zum Erfolg geführt hat, war die Lauftaktik auf den letzten 50km. Hier hatten Gladys und Björn sich eine konsequente Intervalltaktik ausgedacht, da wir bemerkten, dass ich fast nur noch gegangen bin. Wir fingen an mit 10 Min. laufen und 10 Min. gehen. Später verkürzten wir die Intervalle auf 4:30 Min. laufen/gehen. Das brachte Abwechslung und wir kamen auch so wieder schneller voran. Das tat den Beinen auch gut.

Die letzten Kilometer waren dann die bewegendsten. Immer wieder schossen mir Tränen ins Gesicht. Man wurde von den anderen Crews mit angefeuert. Als dann die Rheinorange ins Blickfeld rückte, übermannten mich meine Gefühle. Ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich nicht in Worte fassen kann. Daher belasse ich auch. Ich behalte mir dieses Gefühl im Herzen und spüre noch immer die Tränen im Gesicht.

Damit möchte ich auch schließen. Ich möchte mich bedanken, bei Anja, Martina, Gladys, Björn, Susanne, Noah und Tim. Anja, ich denke immer gerne an Deine fröhliche Art zurück. Martina, die mich in meinen schwierigsten Momenten aufgefangen und mich mit ganzem Herzen durch die TorTour gebracht hat. Gladys, die stets motivierende Worte fand und mit ihrer herzlichen Art das gesamte Team motivierte. Björn, der mich ebenfalls mit seinen Worten unermüdlich motivierte und auch immer wieder zum lachen brachte. Susanne, die immer einen kühlen Kopf bewahrte und mich bis zur Teamablösung weiter begleitet hat. Noah, der mit seiner ruhigen und vernünftigen Art immer wieder motivierende Worte fand. Und Tim, der uns mit seinen Massagen gute Dienste leistete.

Danke auch noch einmal an Ricarda und Jens, die mal wieder eine grandiose TorTour auf die Beine gestellt haben.

Schließlich möchte ich mich noch einmal bei Jens für das Telefonat im Nachgang der TorTour bedanken. Deine Worte haben alles perfekt beschrieben und motivieren für kommende Projekte.

Euer Thorsten

2 Gedanken zu „TorTour de Ruhr 2018 – 460km nonstop – Eine Nachbetrachtung“

  1. Klasse Bericht Thorsten,
    Sehr ehrlich, nach meinem Gefühl, sehr zurückhaltend!
    Bescheiden überhaupt ohne jede Starallüren!
    Mit der Meditation würde mich mal genauer interessieren!
    Gruß Micha (Trailwolf)

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