24-Stundenlauf in Reken – Gelaufen, verletzt und trotzdem dankbar

Am 09.09.2016 war es wieder soweit: Rainer Kauczor hat zum mittlerweile 6. 24-Stundenlauf in Reken geladen. Eine sehr schöne familiäre Veranstaltung für einen guten Zweck.

Auch wenn ich in den letzten Monaten mein Training auf Grund von Achillessehnenproblemen eingeschränkt habe, hatte ich ein Ziel: Die Spartathlon-Quali, also mindestens 180km zu laufen.

Es fing gut an. Keine Schmerzen an der Achillessehne. Alles schien, hervorragend zu laufen. Ohne Mühe bin ich dann auch locker den Marathon gelaufen und ich gehörte der Führungsgruppe an. Doch dann passierte es in der 19. Runde. Es war schon dunkel. Die Stirnlampe war an. Und doch ist mir eine kleine Unachtsamkeit zum Verhängnis geworden.

Der Lauf fand auf landwirtschaftlich genutzten Wegen statt. Der Fahrbahnrand hatte meist eine kleine Kante, wo es dann meist zu Schotter oder Rasen überging. Bei einem Überholmanöver bin ich dann in der Dunkelheit auf eine dieser Kanten getreten und umgeknickt. Mit schmerzverzehrtem Gesicht bin ich stehen geblieben, aber dennoch erst einmal weitergelaufen.

Ich merkte, das Laufen funktionierte nicht mehr. Stets ein stechender Schmerz im Sprunggelenk und nun meckerte auch die Achillessehne. Ich beschloss, nach 45,7km abzubrechen und das Rennen zu beenden. Die Vernunft musste siegen.

Klar war ich traurig. Das kann ich nicht verleugnen. Aber dennoch, irgendwie war das Gefühl dann doch nicht mehr so schlimm. Ich merke in letzter Zeit, dass mir offizielle Läufe/Wettkämpfe nicht mehr so wichtig sind.

Ich war ja noch nie der Marathon/Ultramarathonsammler und ich zähle meine Läufe auch nicht mit. Offizielle Läufe laufe ich ja sowieso recht selten und ich merke, dass mir diese Sachen immer unwichtiger geworden sind.

Gerade seit der TorTour in diesem Jahr weiß ich, ich kann 230km am Stück nonstop laufen. Hey, ich muss mir nichts mehr beweisen.

Es ist ganz seltsam und ich weiß auch nicht genau, wie ich dieses Gefühl beschreiben soll, aber ich spüre bei jedem meiner Läufe Dankbarkeit. Ich bin dankbar dafür, dass ich laufen kann. Dass ich sogar sehr lange laufen kann. Ich bin dankbar, das Wunder der Natur durch das Laufen zu erleben. Die Natur zu spüren und zu erleben: Die Wärme der Sonne, den Regen, den Winde, die Kälte, Stürme sowie die Jahreszeiten mit ihren Naturspielen.

Durch das Laufen habe ich schwere depressive Episoden überwunden. Ich bin dankbar dafür. Aber dafür brauche ich keine Wettkämpfe. Ich laufe um des Laufens Willen, mehr nicht.

Das bedeutet nicht, dass ich nun an keinen Läufen/Wettkämpfen mehr teilnehme. Nein. Ich werde weiterhin meine 2-3 Wettkämpfe im Jahr bestreiten. Vielleicht bei Gelegenheit kurzfristig auch noch einen weiteren laufen. Aber mir ist das alles nicht so wichtig. Genauso wie es mir nicht mehr so wichtig ist, persönlichen Bestzeiten hinterherzujagen. Klar freue ich mich, wenn ich irgendwo vorne mitlaufen kann und auch über super Zeiten. Das wäre verlogen, wenn ich das bestreiten würde. Aber es gibt wichtigeres im Leben als Bestzeiten.

Ich werde laufen, ich werde weiterlaufen und ich werde lange laufen. Es gibt noch so viele Abenteuer zu erleben und ich freue mich darauf.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Start in die neue Woche.

Euer

Thorsten

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Ein Gedanke zu „24-Stundenlauf in Reken – Gelaufen, verletzt und trotzdem dankbar“

  1. Lieber Thorsten,

    da hat das kleine Unglück, das hoffentlich ohne weitere Folgen bleibt, dann doch sein Gutes und Du offenbarst uns hier etwas, worüber zu lesen ich mich sehr freue.
    Wenn gerade eine läuferisch so leistungsstarke Person sich aus dem Wettkampfgeschehen ohne Not zurückziehen kann mit Glück und Zufriedenheit und für sich erkennt, dass Laufen viel mehr ist als nur eine Suche nach dem nächsten Leistungsziel, so ist das aus meiner Sicht die Erfüllung schlechthin.
    Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du diese Unbeschwertheit behälst und an Deine Mitmenschen weitergeben kannst.

    LG,
    Corinna

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