Mut zur Veränderung

2014-10-19 13.51.05

Wie ich bereits in der Vergangenheit angedeutet habe, möchte ich auch über Themen schreiben, die nicht unbedingt etwas mit dem Laufen zu tun haben, mich aber sehr beschäftigen.

Mein Thema, welches mich nun seit meiner Depression begleitet, ist das Thema “Veränderung” oder besser gesagt: “Mut zur Veränderung”.

Ich möchte mich in einer Beitragsreihe diesem Thema annähern und Chancen aufzeigen, die sich aus einer bewussten Veränderung ergeben können. Ich möchte Euch Mut machen und Euch zeigen, dass es nie zu spät ist, Veränderungen an seinem Leben vorzunehmen. Euer Glück und Euer Wohlbefinden soll im Mittelpunkt Eures Lebens stehen.

Es geht nicht darum, sein ganzes Leben über den Haufen zu werfen. Nein, es können auch die kleinen Veränderungen sein, die einem ein glücklicheres Leben bescheren. Manchmal bedarf es auch nur, an kleinen Stellschrauben zu drehen, um eine Veränderung herbeizuführen.

Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich tatsächlich eine große Veränderung gewagt habe und meine Karriere als Rechtsanwalt über Bord geworfen habe. Viele Menschen fragen mich: “Wie konntest Du nur? Als Rechtsanwalt oder Jurist kannst Du doch ein unbeschwertes Leben führen!”.

Unbeschwert vielleicht, aber auch glücklich?

Nicht in meinem Fall! Aber wie konnte ich nur?

Rückblickend betrachtet, hatte ich eine unbeschwerte Kindheit. Man hat mich nicht wirklich unter Druck gesetzt. Meine Eltern hatten mir vorgelebt, dass man es mit Leistung in unserer Gesellschaft sehr weit bringen kann. Sie haben es mir ja auch vorgelebt. Sie waren zum Beispiel so gut wie nie krank und sind immer pflichtbewusst ihrer Arbeit nachgegangen. Das hat mich sehr geprägt, was ja auch nicht unbedingt falsch ist. In diesem Punkt darf man mich nicht falsch verstehen.

Diese Einstellung hat mich geprägt, so dass ich schon in jungen Jahren sehr ehrgeizig war. Im Schwimm,- Leichtathletik- oder Basketballverein wollte ich immer vorne mitmischen, was mir hier und da auch gelungen ist.

Schulisch war ich zwar nie der Überflieger, aber ich habe mich mit Fleiß durchgeboxt. Nach dem Abi ist mein Lebenslauf sehr geradlinig verlaufen: Ausbildung zum Steuerfachangestellten, Jurastudium, Referendar u.a. bei Bertelsmann in der Steuerabteilung, Rechtsanwalt in verschiedenen Kanzleien mit steuerlicher Ausrichtung. Am Ende habe in einer hochspezialisierten Steuerkanzlei gearbeitet.

Alles in allem lief doch eigentlich alles super.

Doch war ich wirklich glücklich? Nein, ich war es nicht!

Ich wollte immer perfekt sein und es auch immer allen recht machen. Meine Grundannahmen waren: Ich darf keine Fehler machen. Ich muss perfekt sein. (Mit Grundannahmen werde ich mich in einem gesonderten Artikel beschäftigen).

Ein kurzer Ausflug in die Selbständigkeit ging schief, den Druck in der letzten Steuerkanzlei habe ich nicht ausgehalten. Das Scheitern, eine miese Chefin und mein Hang, immer alles richtig zu machen und jedem gerecht zu werden, führten schließlich in eine Depression.

Dies war der Punkt in meinem Leben, wo ich merkte, dass alles in die komplett falsche Richtung ging.

Ich habe mir immer wieder viele Fragen gestellt:

  1. Was will ich eigentlich?
  2. Was macht mich unglücklich?
  3. Was kann ich tun, um glücklich zu sein?
  4. Welchen Weg möchte ich einschlagen?
  5. Was muss ich tun, um diesen Weg einzuschlagen?

In meinem Fall gab es zwei Passionen im Leben: Laufen und Wein 🙂

Also habe ich mir gesagt, ich wage nun den Schritt und hauche meinen Passionen professionelles Leben ein. Doch was musste ich tun, um meinen Passionen ein berufliches Kleid zu verpassen.

Ich habe mich zunächst zum Trainer ausbilden lassen und schließlich weitere Fortbildungen zum Thema Fitness besucht. Intensives Selbststudium war natürlich selbstverständlich.

Das Wissen habe ich mir angeeignet und auch die grobe Richtung war nun klar. Jetzt hieß es nur noch: UMSETZEN – MACHEN!

Nicht einfach für einen Depritypen 😉

Aber ich habe es gemacht und Laufstil-Düsseldorf gegründet.

Schließlich habe ich mich noch in einem Weinladen beworben. Ich brauchte schließlich ein regelmäßiges Einkommen. Aber wie bewirbt man sich auf eine Stelle in einem Weinladen mit einem Lebenslauf wie dem meinen? Wenn ich dort meinen Lebenslauf hinschicke, denken die doch, ich sei tatsächlich verrückt 😉 Ok, war ich ja auch. Ich darf das sagen 😉 Ich habe der Inhaberin des Weinladens eine Email geschickt und ihr meine Geschichte erzählt. Mir war es wichtig, von Anfang an aufrichtig zu sein. Und siehe da, es hat sie beeindruckt und sie gab mir tatsächlich diese Chance.

Dies war der Neuanfang für mich. Über die Monate hinweg wurde ich wieder selbstbewusster und habe meinen Mut und Optimismus zurückgewonnen.

Ich werde auch immer wieder gefragt, ob es sich denn finanziell für mich lohnt und ob ich genauso viel verdiene wie als Rechtsanwalt. Ganz ehrlich? Darauf kommt es mir nicht an.

Durch meine jetzige Tätigkeit habe ich einen Grad an Freiheit gewonnen, den man nicht mit Geld aufwiegen kann. Klar will ich Geld verdienen, klar will ich auch mit meinen Projekten erfolgreich sein, aber was noch viel wichtiger ist: Ich möchte glücklich sein!

Die Veränderung, die ich gewagt habe, war sicherlich nicht ganz ungefährlich. Vor allem, wenn man versucht, sein ganzes Leben noch einmal neu zu ordnen. Solch ein Projekt kann auch ganz deutlich nach hinten losgehen. Da will ich auch keinen Hehl daraus machen und Angst hatte ich auch. Daher ist es wichtig, sich einen solchen Schritt genau zu überlegen und nichts zu überstürzen. Bei mir hat die Überlegungszeit gut 2 1/2 Jahre gedauert. Es war somit kein überstürzter Entschluss.

Aber es lohnt sich schon, darüber nachzudenken. Auch wenn das Ergebnis ist, es nicht zu machen. Selbst dann hat man eine Art von Erkenntnis.

Aber eine solche Veränderung, wie ich sie vollzogen habe, muss auch nicht sein. Bei dem einen oder anderen reicht es auch, wenn man an kleinen Stellschrauben dreht. Auch kleine Veränderungen können große Auswirkungen auf das Leben und das eigene Wohlbefinden haben. Manchmal muss man nur an seiner Einstellung arbeiten.

Für mich ist z.B. “Achtsamkeit” zu einer Lebenseinstellung geworden. Der Fokus auf den Moment gerichtet. Im “Hier und Jetzt” sein. Nicht immer in die Vergangenheit oder Zukunft abschweifen. Gefühle, seien sie gut oder schlecht, anzunehmen ohne sie zu bewerten. Achtsam mit seinen Mitmenschen umgehen. Das Thema “Achtsamkeit” würde hier im Moment den Rahmen sprengen und verdient einen gesonderten Artikel. Aber mich hat diese Einstellung gelassener gemacht. Ich lasse mich nicht mehr so schnell stressen.

Mir ist schon klar, dass man Stress nicht vermeiden kann. Eine gute Portion Stress kann sogar förderlich sein. Zuviel jedoch ist ungesund.

Jeder kann etwas für sein Glück tun. Habt den Mut, Euch zu hinterfragen. Reflektion ist bei diesem Thema ganz wichtig. Nehmt nicht alles so ernst. Geht achtsam mit Euren Mitmenschen um und lacht ganz viel. Habt einfach Spaß am Leben. Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich, sich zu verändern.

Seid mutig.

Seid mutig für Veränderungen 🙂

15 Gedanken zu „Mut zur Veränderung“

  1. Hallo Thorsten
    Erlebe und lebe gerade mitten in diesem Thema. Ich habe seit, erstmals festgestellt , August Depressionen. Ausgelöst durch seelischen Stress auf der Arbeit.
    Bei mir ist es ähnlich abgelaufen. Immer perfekt sein, bloß keine Fehler machen und in allen Lebenslagen immer die Starke Frau sein. Ich habe mich eigentlich immer wohl gefühlt in meiner Firma. Tolle Kollegen , immer Spaß gehabt. Bin immer viel am Lachen….gewesen .
    Naja bin dann zum Arzt, weil ich den Rest der Woche krankgeschrieben werden wollte, da ich total genervt, überfordert und mich alleingelassen gefühlt habe. Also zum Arzt und wollte ihr auch von der Arbeit erzählen. Ich konnte nur noch guten Morgen sagen und bin auch schon zusammen gebrochen. Sie hat mich erstmal aus dem Verkehr gezogen.
    Jetzt habe ich Zeit mein Leben zu sortieren, incl. aussortieren von Personen die in meinem Leben keinen Platz mehr haben sollen.
    Ich habe mich für eine Schulung im Bereich Wellness Kosmetik und Massage entschieden ,um mir ein 2. Standbein aufzubauen, weil, wie du schon sagst, sowas braucht seine Zeit und sollte auch nicht übers Knie gebrochen werden.
    Du hast mir echt Mut gemacht, das man auch den Anfang machen muss um was zu ändern.
    Ich werde in den nächsten Wochen erstmal eine Wiedereingliederung in meiner Firma wahrnehmen und versuchen mich nicht mehr stressen zu lassen, weil ohne Geld kann ich auch meine neuen Vorhaben nicht erfüllen.
    Ich wünsche von Herzen, das du deinen Weg so weitergehen kannst, wie dein Herz es auch wirklich möchte.
    Lieben Gruß Petra

    Wenn nicht gefällt, mach neu. ( Peter Vox)

    1. Liebe Petra,
      vielen für Deine Rückmeldung und vor allem für Deine offenen Worte.
      Der Schritt, zum Arzt zu gehen, war absolut richtig. Nimm Dir Zeit. Und für das 2. Standbein wünsche ich Dir ganz viel Erfolg. Klar, man muss auch Geld verdienen. Das kann ich auch nachvollziehen. Vor allem, weil viele Fortbildungen auch Geld kosten. Aber nimm die Anzeichen ernst, die Dein Körper Dir gibt. Ich habe sie damals zu lange außer Acht gelassen, mit nicht wirklich schönen Folgen.
      Aber geh Deinen Weg. Den ersten Schritt hast Du getan. Und es ist schon mutig, dass Du ihn getan hast. Achte auf Deinen Körper und Deine Seele indem Du immer wieder in Dich hinein hörst. Mir hat es damals auch sehr geholfen mit dem Meditieren anzufangen. Ist nicht jedermanns Sache, aber vielleicht ist das was für Dich. Allerdings solltest Du Dich am Anfang dazu einleiten lassen.
      Also mach weiter so. Und wenn Du noch Fragen hast oder Anregungen brauchst, melde Dich ruhig bei mir.
      Liebe Grüße
      Thorsten

  2. Hi Thorsten,
    ich bin sehr beeindruckt von dem was Du hier schreibst! Ich bin seit langen in einer ähnlichen Situation, habe aber keine Lösung. Es ist nicht einfach, auch wenn man nicht weiß was man wirklich möchte, aber man weiß genau, dass die derzeitige Situation einen nicht glücklich macht. Jedem alles Recht zu machen… ja, das kenne ich und das ist eines meiner Probleme, denn es funktioniert einfach nicht, bzw. nicht immer 😉
    viele Grüße
    Susanne

    1. Liebe Susanne,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Auch wenn Du noch keine wirkliche Lösung zu Deiner Situation gefunden hast, so hast Du aber zumindest erkannt, dass Dich bestimmte Sachen unglücklich machen. Das ist schon ein erster Schritt. Ich hoffe, dass ich Dir mit meinem Artikel ein wenig Mut machen kann, Deinen Weg zu suchen. Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich. Man muss auch ein wenig Geduld mitbringen. Bei mir hat es auch etwas länger gedauert und ich habe mich auch immer wieder gefragt, ob ich es denn wagen soll. Wenn Du magst, kannst Du mir ja weiter berichten. Vielleicht kann ich Dir dann auch Anregungen geben. Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft für Deinen Weg.
      Lieben Gruß
      Thorsten

  3. Hallo Thorsten,
    gefällt mir sehr gut !! Ich bin auch ein leidenschaftlicher “Lebenänderer”, es gehört viel Mut dazu, man durchschreitet viele Täler, am Ende ist es aber ausschließlich positiv zu betrachten. Danke für Deinen schönen Bericht!
    Anja

    1. Liebe Anja,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich habe Deinen Blog auch schon verfolgt und gesehen, dass Du ein sehr bewegtes Leben hast. Ich finde es toll, dass Du nicht aufgegeben hast und auch den Mut hattest, Entscheidungen zu treffen, die Dein Leben veränderten. Ich hoffe, dass ich mit meinem Blog anderen Menschen Mut machen kann und wünsche Dir ganz viel Erfolg bei Deinen Projekten und auf Deinem Weg. Und vielleicht kann man auch mal zusammen Laufen gehen. Köln ist ja nicht so weit weg 🙂
      Lieben Gruß
      Thorsten

  4. Hallo Thorsten,

    vielen lieben Dank für Deinen neuesten wieder sehr persönlichen Beitrag!

    Ich muss sagen, dass er für mich besonders spannend war, denn nachdem ich inzwischen erfahren hatte, dass Du u. a. auch Rechtsanwalt bist bzw. als solcher tätig warst, habe ich mich selbstredend schon gefragt, wie sich Dein Berufswandel vollzogen hatte.

    Ich ziehe meinen Hut vor Deiner Entscheidung und wünsche Dir natürlich, dass Du diese nie bereuen musst! Wobei das zugleich ein wenig Unfug ist, denn mit dem Blick auf das Hier und Jetzt befreit man sich bestimmt auch ein wenig von unnötigen Reuegefühlen.

    Unsere Lebenswege sind im Übrigen ein wenig ähnlich. Mit dem kleinen Unterschied dass ich mich zunächst am Jurastudium versuchte, um alsbald festzustellen, dass ich in einer solchen Welt nicht glücklich werden würde.
    Und das obwohl ich seit meiner Kindheit nichts anderes im Sinn hatte. Ich wechselte dann aus recht pragmatischen Gründen in die Ausbilung zur Steuerfachangestellten.
    Dass ich hier meinen Platz behalten habe, liegt wohl in der Hauptsache an den sehr glücklichen, für den Berufsstand eher untypischen Umständen, in denen ich diesen Beruf ausüben kann.

    Meine persönliche kleine Veränderung weg vom “Ewigen in der Arbeit gefangen sein” hin zum “Abschalten – und Alleinsein – Können” brachte das Laufen mit sich. Und darüber freue ich mich jeden Tag aufs Neue 🙂

    Dir wünsche ich viel Freude im beginnenden Herbst, der zu Weinabenden und Herbstlaubläufen einlädt!

    VIele liebe Grüße,
    Corinna

    1. Liebe Corinna,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich finde es ermutigend, wie positiv die Rückmeldungen zu meinem Artikel sind. Das bestärkt mich natürlich in meinem Vorhaben, mehr von meinem Weg zu berichten. Es ist ein schönes Gefühl, anderen Menschen Mut zu machen.

      Ich finde es ja interessant, dass Du Dich auch an Jura versucht hast. Du hast es viel früher festgestellt, dass es nicht Deine Welt ist. Das hätte ich damals bei mir nicht gedacht. Ich hatte damals schon sehr konkrete Pläne und Vorstellungen. Daher war es auch nicht einfach, diese Entscheidung zu treffen. Auch wenn ich noch sehr kämpfen muss, bin ich froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Ach ja und Steuerfachangestellter war ich auch mal 🙂 Danach bin ich auch als Jurist im Steuerrecht tätig gewesen. Naja, kennst Du ja nun 🙂

      Auch Deine kleine Veränderung finde ich großartig. Meine Veränderung war schon sehr extrem. Aber wie ich geschrieben habe, muss man ja nicht immer komplett alles ändern. Manchmal reicht es halt, kleine Veränderungen an seinem Leben vorzunehmen. Darüber darfst Du Dich mit Recht freuen. Und sollst Dich freuen. Wir nehmen vieles einfach so für gegeben hin. Wir sollten uns mehr an kleinen Dingen erfreuen und auch über die einfachsten Sachen im Leben dankbar sein. Das gibt ein gutes Gefühl.

      Vielleicht kann man ja mal gemeinsam Laufen gehen, wenn ich mal wieder in der alten Heimat bin. Ich würde mich freuen 🙂

      Ich wünsche Dir weiterhin für Deinen Weg viel Kraft und Erfolg.

      Liebe Grüße
      Thorsten

  5. Lieber Thorsten,
    ich habe deinen Bericht per Link von einem Sportfreund bekommen.
    Dein Lebenslauf deckt sich in mancher Hinsicht mit Meinem und deshalb hat es mir echt Mut gemacht weiter zu gehen. Denn ich hadere derzeit sehr mit mir. Die Stiefel neu zu schnüren und einen ganz neuen Lebensweg zu gehen macht auch Angst und verunsichert, weil man nicht weis was kommt. Meine Geschichte würde hier den Rahmen absolut sprengen aber nur so viel: Ich bin auch sehr wohl behütet in einer Mittelstandsfamilie groß geworden, war nie der Überflieger in der Schule und habe manche Fächer nur gehasst. Doch zwei Dinge waren immer Meins; Sport und Medizin. Da ich kein Voll-Abi (nur Fach-Abi) habe konnte, ich nie studieren…Praktikum in einem Versicherungsbetrieb…anschließend dort Lehrstelle, da damals (laut meinen Eltern “Gold wert”) Lehre begonnen, als Sachbearbeiter 4 Jahre gearbeitet…dann Betrieb des Vaters eingestiegen…geheiratet…Kinder…habe den Job immer nur für die Familie also zum Geld verdienen gemacht, aber immer unglücklich…meine Frau verstarb dann vor ca. 6 Jahren an Krebs…ich stand mit 3 kleinen (einer war noch Baby) Kindern alleine da…obwohl ich Anspruch auf Witwerrente hatte, habe ich weiter gearbeitet, denn ein Mann muss ja arbeiten und man ist in unserer Familie nur etwas Wert, wenn man von 8-20 Uhr arbeitet. Nach einer 4 jährigen Beziehung, die dann für mich sehr enttäuschend scheiterte bin ich in eine mentale Krise gefallen und habe sehr viel psychologisch und geistig aber auch durch viel Sport an mir gearbeitet. Mir wurde immer bewusster, dass ich einfach den Sport (bin verrückter Läufer) irgendwie als Beruf ausüben will, auch das Thema Medizin (möchte für Krebskranke Menschen was tun) war nie vom Tisch. Nun beginne ich nächste Woche ein Studium, das dies kombiniert (Gesundheitsmanagement) und klar freue ich mich aber ich bin nun 44 Jahre und muss mich auch um 3 Kinder kümmern. Aber ich habe immer nur nach dem gelebt so wie die Anderen bzw. die Gesellschaft mich sehen wollen. Ich weis noch nicht, wie ich später mal mit Ende 40 noch einen Job bekomme und wenigstens ein bisschen Geld in der Branche verdiene (muss nur zum Leben reichen). Ich habe in meiner Branche 22 Jahre gut verdient, aber was zählen dicke Autos, Anzug und Essen mit Geschäftsführern und deren Gattin, wenn man das nicht wirklich mit Leidenschaft macht und nicht glücklich wird.
    Das Gute ist, meine Familie respektiert meinen Schritt, obwohl ich merke, dass ich schon etwas belächelt werde. Viele die mit mir laufen, denken mit Ende 40, Anfang 50 schon daran wann Sie in Ruhestand gehen können…und ich fange jetzt noch was ganz anderes an. Nach dem Motto ” naja, lass ihn mal machen…”

    Deshalb kam mir in meiner Phase der Zweifelei dein Bericht gerade wie ein Wink des Himmels vor. DANKE DAFÜR!
    Wünsch dir alles erdenklich Gute und
    Sport zum Grusse
    Eric

    1. Lieber Eric,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und entschuldige bitte, dass ich mich so spät erst bei Dir melde.
      Ich finde es schön, wie offen Du mir gegenüber bist und mir Deine Situation beschreibst. Ich gebe Dir recht, dass so ein Wandel, vor allem finanziell, nicht leicht ist. Klar, Geld macht nicht unbedingt glücklich, aber ohne lässt es sich auch schwer leben, vor allem, wenn man, wie Du, 3 Kinder hat. Die wollen auch versorgt werden. Daher bin ich beeindruckt, dass Du dennoch diesen Schritt wagst. Klasse. Und ich freue mich, dass Dir mein Artikel Mut macht. Zweifel kommen bei mir auch immer wieder hoch, da meine Veränderung noch nicht abgeschlossen ist. Aber ich motiviere mich immer wieder neu. Vor allem jetzt durch das Schreiben darüber. Mir wird immer klarer, dass es richtig ist. Manchmal denke ich natürlich auch über die eine oder andere jobmäßige Verlockung nach, aber dann führe ich mir auch vor Augen, was damals alles passiert ist und das möchte ich nie wieder erleben. Ich bin froh mit meinem Artikel anderen Mut zu machen, das macht auch mir Mut 🙂
      Ich wünsche Dir für Deinen Weg weiterhin alles Gute und viel Kraft. Ich werde hier weitermachen und schreiben und vielleicht läuft man sich ja hier oder da über den Weg 🙂
      Liebe Grüße
      Thorsten

  6. Hallo Thorsten

    Toll, soviel Offenheit; Chapeau !
    Ich lese deine Worte , mitfühlend und ähnlich, da ich durch das Eigene doch etwas andere Veränderung in meinem Leben , das sehr nachfühlen kann.
    Empathie begleitet mich halt umständehalber

    1. Hallo Ines,
      entschuldige bitte meine späte Rückmeldung. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde es schön, dass ich so viele Menschen mit meinem Artikel erreiche und dass sich der eine oder andere auch wiedererkennt. Das bestärkt mich in meinem Tun und in meiner Veränderung.
      Liebe Grüße
      Thorsten

  7. Hallo Thorsten!
    Ich finde den Weg, den du gegangen bist, sehr mutig und vorallem beeindruckend.
    Wie meine Vorredner befinde ich mich in einer ähnlichen Situation.
    Durch wiedere Umstände, an denen ich selbst nicht ganz unschuldig war,  bin ich vor acht Jahren, aufgrund einer Notsituation, in einen Berufszweig gerutscht, der mein komplettes Leben, sozial wie finanziell, auf den Kopf gestellt hat.
    Die immer wieder scheiternden Versuche aus diesem Loch heraus zu kommen haben mich an den Rand der Resignation getrieben. Das hat sich schwerwiegend auf mein Selbstwertgefühl ausgewirkt. Und das hat sich letztendlich auch auf soziales Umfeld übertragen. Freunde, Familie und die Frau an meiner Seite. Letztere ist der einzige Grund, warum ich noch nicht komplett abgerutscht bin.
    Ich habe für mich erkannt, dass man den Grund für all diese Fehlschläge im Leben nicht immer bei anderen suchen darf. Man selbst ist die größte Hürde, die es zu überwinden gilt, um mit sich selbst und dem eigenen Leben ins Reine zu kommen.
    Ich plane diese Hürde zu überwinden. In kleinen aber gezielten Schritten. Mit dem Blick nach vorne.
    Dein Artikel hat mir gezeigt, dass es möglich ist sich selbst und sein Leben so neu zu definieren, dass man wieder glücklich und zufrieden sein kann.

    Gruß
    Bastian

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