TorTour de Ruhr 2016 230km – Der mentale Aspekt und letzte Gedanken bevor es losgeht

Nun sind es keine 2 Tage mehr und so langsam macht sich auch bei mir die Anspannung breit. Die Gedanken kreisen. In den letzten Tagen wurde ich oft gefragt, was mir auf einer solch langen Strecke durch den Kopf geht, wie ich mit Schmerzen umgehe und ob ich mich irgendwie ablenke.

Gerne möchte ich in meinem letzten Artikel vor der TorTour kurz darauf eingehen.

Ich bin zunächst einmal nicht der Typ, der die ganze Zeit mit Kopfhörern durch die Gegend läuft und sich so auf langen Läufen ablenken muss. Ich habe nichts dergleichen dabei. Ich möchte die Natur erleben, den Laufe erleben, einfach das spüren, was gerade passiert. Da kann ich Ablenkung eigentlich nicht gebrauchen und sie ist dann auch nicht nötig.

Ich teile die Strecke auch nicht in Teilstücke ein. Das habe ich ausprobiert und bringt mir persönlich nichts. Aber das ist eine Typfrage.

Ich versuche über die komplette Strecke in dem jeweiligen Moment zu verweilen. Hier hilft mir meine jahrelange Meditationspraxis und das Prinzip der Achtsamkeit. Ich versuche zunächst den Moment wahrzunehmen und lenke dann oft meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Ich spüre in den Rhythmus des Atems beim Laufen hinein. So zentrieren sich meine Gedanken. Ich nehme den Wind wahr, die Sonne, den Regen, all das, was da ist. Das führt dazu, dass ich nicht darüber grübeln muss, was noch vor mir liegt oder über das, was war. Dieses Grübeln ist das, was einen total mürbe machen kann. Das war damals während meiner Depression ein ganz zentrales Problem. Irgendwann kommt man aus den Gedankenkreiseln einfach nicht mehr raus und man befindet sich gefühlsmäßig in einer Abwärtsspirale. Durch die Konzentration auf den Atem und das Spüren des Moments sowie das Verweilen in der Gegenwart beugt man diesem Grübeln vor bzw. man kann aus diesen Grübeleien ausbrechen.

Natürlich werde auch ich negative Gedanken haben während der 230km. Auch ich bin nur ein Mensch, aber ich kann durch diese Strategien dagegenwirken.

Und auch wenn negative Gedanken auftauchen oder die Motivation nachlässt, auch dann kann man das mit Achtsamkeit annehmen.  Es hilft nicht, sich dagegen zu wehren. Man muss es annehmen und erkennen, was wirklich da ist. Diese Gedanken sind nur Gedanken und man merkt schnell, dass Gedanken in einem ständigen Fluss sind. Gedanken kommen und Gedanken gehen. Und so ist das auch mit negativen Gedanken. Wir dürfen uns davon nicht einnehmen lassen. Annehmen ja, einnehmen nein.

Genauso ist es mit den Schmerzen. Klar muss ich erst einmal schauen, ob ein bestimmter Schmerz vielleicht eine Verletzung sein kann. Aber auf einer solchen Strecke tauchen Schmerzen irgendwann einfach auf. Ich nenne sie immer Belastungsschmerzen. Diese können sehr unangenehm sein und können natürlich auch zu negativen Gedanken führen.

In den letzten Monaten habe ich da ein wenig experimentiert. Ich habe bei sehr langen Trainingseinheiten (80-90km) mit dem Schmerz gearbeitet. Ich habe mich in ihn hineinversetzt und beobachtet. Ich habe ihn einfach angenommen, anstatt mich mit irgendetwas abzulenken. Als ich meine ganze Achtsamkeit auf den Schmerz gelenkt habe, habe ich nach einiger Zeit gemerkt, dass sich der Schmerz auch wieder verändert. Er bleibt nicht gleich. Er wird stärker, aber auch wieder schwächer. Schließlich hat der Schmerz dadurch keine Macht mehr über Dich. Du weißt, er ist da. Auf einer solchen Strecke nichts ungewöhnliches. Aber Du weißt auch, dass er sich verändern wird, sogar manchmal wieder für eine gewisse Zeit verschwindet. Und das sind dann auch die Momente die man dann spüren muss. Der Zeitpunkt, wenn der Schmerz verschwindet. So erkennt man, dass der Schmerz über einen selbst keine Macht hat. Bei meinen Läufen bis 171km hat das bislang ganz gut funktioniert. Natürlich weiß ich nicht, wie es bei 230km sein wird.

Natürlich kann es sein, dass es nicht funktioniert und einfach nicht mehr weitergeht. Aber dann ist es so und die Welt dreht sich trotzdem weiter. Auch dann ist alles gut.

Ich lasse es jetzt einfach auf mich zukommen. Ich kann eh nichts mehr daran ändern. Ich versuche, obgleich der Anspannung, Gelassen in den Lauf zu gehen.

Ich werde versuchen, diesen Lauf zu spüren, ihn aufzusaugen und ihn, trotz der Schmerzen, die kommen werden, zu genießen.

Ich freue mich sehr auf diesen Lauf. Ich habe lange darauf hingearbeitet und nun steht er unmittelbar vor der Tür.

Ich habe ein wundervolles Team. In meinem Team werden sein:

Andre Zalbertus (Fahrrad), Andreas Bußmann (Auto), Carolin Straßburg (Auto), Nina Heylen (Auto) und Willi Krogmeier

Ein großes Dankschön schon einmal an Euch.

Also, los geht´s. Ich werde Euch mit meinem Team auf Facebook über alles auf dem Laufenden halten.

Ich freue mich auf die TorTour de Ruhr 2016 230km.

Euer Thorsten

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